KI aus China? Für die deutsche Wirtschaft praktisch kein Thema
 

Chinesische KI-Modelle sorgen international mit hoher Leistungsfähigkeit und niedrigen Kosten für Aufmerksamkeit. In deutschen Unternehmen spielen DeepSeek, Qwen und Co. bislang jedoch kaum eine Rolle. Stattdessen bauen US-Anbieter ihre dominante Position weiter aus. Für Unternehmen stellt sich damit zunehmend die Frage, wie sich technologische Leistungsfähigkeit, wirtschaftliche Effizienz und digitale Souveränität miteinander verbinden lassen.

Während chinesische KI-Modelle in der internationalen Technologiebranche intensiv diskutiert werden, zeigt sich in der deutschen Wirtschaft ein deutlich anderes Bild. Anwendungen aus China sind im Unternehmensalltag bislang nahezu bedeutungslos.

Das geht aus einer repräsentativen Befragung von 603 Unternehmen ab 20 Beschäftigten im Auftrag des Digitalverbands Bitkom hervor. Demnach setzen lediglich 2 Prozent der Unternehmen, die bereits Künstliche Intelligenz nutzen, auf DeepSeek. Qwen von Alibaba kommt sogar nur bei 1 Prozent zum Einsatz.

Damit besteht eine deutliche Diskrepanz zwischen öffentlicher Wahrnehmung und praktischer Nutzung. Denn chinesische Anbieter haben in den vergangenen Monaten insbesondere mit leistungsfähigen und vergleichsweise kostengünstigen Modellen auf sich aufmerksam gemacht. Gleichzeitig begleiten Fragen rund um Datenschutz und Cybersicherheit die Diskussion.

ChatGPT bleibt mit großem Abstand an der Spitze

In der deutschen Wirtschaft dominieren weiterhin KI-Anwendungen aus den USA – und diese bauen ihre Position weiter aus.

An der Spitze steht unverändert ChatGPT von OpenAI. 76 Prozent der Unternehmen, die KI einsetzen, nutzen die Anwendung. Im Vorjahr waren es noch 70 Prozent. Auch Microsoft Copilot legt deutlich zu und erreicht inzwischen 35 Prozent gegenüber 28 Prozent im Jahr 2025. Gemini von Google steigt innerhalb eines Jahres von 22 auf 28 Prozent.

Damit konnten alle drei führenden US-Anwendungen ihre Verbreitung in deutschen Unternehmen innerhalb eines Jahres weiter erhöhen.

Hinter dieser Spitzengruppe fällt die Nutzung deutlich ab. Llama von Meta erreicht 8 Prozent, die KI-Funktionen von SAP beziehungsweise Joule werden von 6 Prozent der befragten KI-nutzenden Unternehmen eingesetzt. Claude von Anthropic kommt auf 3 Prozent. Grok von xAI findet sich laut Befragung in weniger als 1 Prozent der Unternehmen.

Bemerkenswert ist zudem: Kein befragtes Unternehmen gibt an, Modelle von Perplexity oder des französischen KI-Anbieters Mistral zu nutzen.

Digitale Souveränität wird zur strategischen Frage

Die Zahlen machen deutlich, wie stark deutsche Unternehmen bei generativer KI derzeit auf Technologien aus den USA setzen. Damit rückt neben Leistungsfähigkeit, Kosten und Integration ein weiterer Faktor stärker in den Mittelpunkt: die digitale Souveränität.

„Die deutsche Wirtschaft setzt bei Künstlicher Intelligenz derzeit fast ausschließlich auf Anwendungen aus den USA. Wer digitale Souveränität will, muss europäischen Anbietern eine Chance geben“, sagt Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst.

Für Unternehmen geht es dabei nicht zwangsläufig darum, etablierte Plattformen vollständig zu ersetzen. Vielmehr stellt sich die Frage, welche Modelle für welche konkreten Anwendungsfälle tatsächlich erforderlich sind und wie eine diversifizierte KI-Infrastruktur aussehen kann.

Denn nicht jede Aufgabe benötigt ein besonders großes oder universelles KI-Modell. Gerade spezialisierte und kleinere Systeme können für klar definierte Unternehmensprozesse eine interessante Alternative darstellen – unter anderem aufgrund geringerer Betriebskosten und der Möglichkeit, Lösungen gezielter an regulatorische, datenschutzrechtliche oder branchenspezifische Anforderungen anzupassen.

Auch Wintergerst sieht darin Potenzial für den europäischen KI-Markt: „Für viele Anwendungen genügen spezialisierte, kleinere Systeme, die sich dann zudem kostengünstiger einsetzen lassen – gerade hier liegt auch eine Chance für europäische Anbieter.“

KI-Strategie statt reiner Tool-Auswahl

Für Entscheiderinnen und Entscheider wird die Auswahl von KI-Technologien damit zunehmend zu einer strategischen Aufgabe. Neben der Qualität eines Modells spielen Fragen nach Datenhoheit, Sicherheit, Kosten, Skalierbarkeit und Abhängigkeiten von einzelnen Technologieanbietern eine wichtige Rolle.

Im Rahmen der Digitalen Transformation geht es deshalb langfristig um mehr als die Entscheidung zwischen ChatGPT, Copilot, Gemini oder alternativen Modellen. Unternehmen müssen bestimmen, welche KI-Architektur zu ihren Geschäftsprozessen passt, wo externe Plattformen sinnvoll sind und in welchen Bereichen spezialisierte oder europäische Lösungen Vorteile bieten können.

Für etablierte Unternehmen ebenso wie für Startups entsteht daraus ein dynamisches Marktumfeld. Denn während US-Anbieter aktuell einen erheblichen Vorsprung bei der Verbreitung besitzen, können neue, spezialisierte Lösungen insbesondere dort Chancen erhalten, wo Unternehmen höhere Anforderungen an Datenschutz, Kostenkontrolle, branchenspezifische Funktionen und technologische Souveränität stellen.

Die Entwicklung zeigt damit auch: Der Wettbewerb um die KI-Plattformen der Zukunft ist noch nicht ausschließlich eine Frage des leistungsfähigsten Modells. Entscheidend wird sein, welche Anbieter Künstliche Intelligenz zuverlässig in konkrete Geschäftsprozesse integrieren und dabei einen messbaren Mehrwert schaffen.

 

Q&A: Was die Zahlen für Unternehmen bedeuten

Welche KI-Anwendung wird in deutschen Unternehmen am häufigsten genutzt?
ChatGPT von OpenAI liegt mit deutlichem Abstand an der Spitze. 76 Prozent der Unternehmen, die bereits KI einsetzen, nutzen ChatGPT. Dahinter folgen Microsoft Copilot mit 35 Prozent und Gemini von Google mit 28 Prozent.

Welche Rolle spielen chinesische KI-Modelle derzeit in deutschen Unternehmen?
Bislang eine sehr geringe. DeepSeek wird von 2 Prozent der KI-nutzenden Unternehmen eingesetzt, Qwen von Alibaba von 1 Prozent. Trotz der internationalen Aufmerksamkeit für chinesische KI-Modelle ist ihre tatsächliche Verbreitung in deutschen Unternehmen damit niedrig.

Warum sind europäische KI-Anbieter für Unternehmen relevant?
Europäische Lösungen können insbesondere mit Blick auf digitale Souveränität, Datenschutz, regulatorische Anforderungen und spezialisierte Anwendungen interessant sein. Die Bitkom-Erhebung zeigt allerdings, dass europäische Anbieter bislang nur eine geringe Verbreitung erreichen. Mistral wurde beispielsweise von keinem der befragten Unternehmen als eingesetzte Lösung genannt.

Brauchen Unternehmen für jeden Anwendungsfall ein großes KI-Modell?
Nein. Für klar definierte Aufgaben können kleinere und spezialisierte Modelle ausreichen. Sie können unter anderem Vorteile bei Kosten und der gezielten Anpassung an bestimmte Prozesse bieten. Welche Lösung geeignet ist, hängt vom konkreten Anwendungsfall und den Anforderungen des Unternehmens ab.

Was bedeutet die starke Position der US-Anbieter für die Digitale Transformation?
Die Zahlen zeigen, dass ein erheblicher Teil der KI-Nutzung deutscher Unternehmen derzeit auf Technologien aus den USA basiert. Für Entscheiderinnen und Entscheider wird es deshalb wichtiger, technologische Abhängigkeiten, Datenhoheit, Kosten und Sicherheitsanforderungen in die eigene KI-Strategie einzubeziehen.

Welche Chancen ergeben sich daraus für europäische Anbieter und Startups?
Potenzial besteht insbesondere bei spezialisierten KI-Lösungen, die konkrete Unternehmensprozesse adressieren. Entscheidend wird sein, ob europäische Anbieter und Startups neben technologischer Leistungsfähigkeit auch eine einfache Integration, wirtschaftliche Skalierbarkeit und einen nachvollziehbaren Business Case bieten können.

 

Teilen