KI ist in der Breite angekommen – doch für Unternehmen beginnt die eigentliche Transformation erst jetzt

57 Prozent der Unternehmen in Deutschland setzen Künstliche Intelligenz bereits ein – fast dreimal so viele wie vor zwei Jahren. Gleichzeitig schöpft kaum ein Unternehmen das Potenzial der Technologie umfassend aus. Eine aktuelle Bitkom-Befragung zeigt: KI entwickelt sich vom Experiment zur geschäftskritischen Infrastruktur. Für Unternehmen beginnt damit die nächste Phase der Digitalen Transformation.
Künstliche Intelligenz ist in der deutschen Wirtschaft endgültig angekommen. 57 Prozent der Unternehmen mit mindestens 20 Beschäftigten setzen KI bereits ein. Weitere 38 Prozent planen oder diskutieren den Einsatz. Lediglich vier Prozent geben an, dass KI für sie derzeit kein Thema ist.
Das zeigt eine repräsentative Befragung von 603 Unternehmen im Auftrag des Digitalverbands Bitkom. Besonders bemerkenswert ist die Geschwindigkeit der Entwicklung: 2025 lag der Anteil der KI-Nutzer noch bei 36 Prozent, 2024 bei gerade einmal 20 Prozent.
Damit hat sich der Anteil innerhalb von zwei Jahren nahezu verdreifacht. Gleichzeitig macht die Studie deutlich, dass die Verbreitung der Technologie nicht mit ihrer umfassenden Nutzung gleichzusetzen ist. Vielmehr steht die Wirtschaft vor der nächsten entscheidenden Aufgabe: KI muss von einzelnen Anwendungen in Prozesse, Produkte und Geschäftsmodelle integriert werden.
57 Prozent nutzen KI – doch das Potenzial bleibt weitgehend unerschlossen
Während die Nutzung von KI massiv zunimmt, schätzen die Unternehmen ihren eigenen Reifegrad zurückhaltend ein. Kein befragtes Unternehmen, das KI einsetzt, gibt an, das Potenzial der Technologie vollständig auszuschöpfen. Nur drei Prozent nutzen die Möglichkeiten nach eigener Einschätzung eher stark. 28 Prozent geben an, das Potenzial bislang nur wenig auszuschöpfen. 59 Prozent sagen sogar, dass sie es überhaupt nicht ausschöpfen. Damit entsteht ein bemerkenswertes Bild: KI ist zwar in der Breite angekommen, ihre tiefgreifende Integration steht jedoch bei nahezu allen Unternehmen erst am Anfang.
Für Entscheiderinnen und Entscheider verschiebt sich deshalb die zentrale Frage. Es geht zunehmend weniger darum, ob KI eingesetzt wird, sondern darum, wie konsequent sie mit Prozessen, Daten, Technologie und Geschäftsstrategie verbunden wird.
KI wird zum Wettbewerbsfaktor
Dass sich die Investitionen auszahlen können, zeigen die Erfahrungen der Unternehmen, die KI bereits einsetzen. 66 Prozent von ihnen geben an, ihre Wettbewerbsposition durch KI verbessert zu haben. 48 Prozent konnten interne Prozesse deutlich beschleunigen, während 45 Prozent einen messbaren Beitrag zum Unternehmenserfolg feststellen. Auch auf Produkte und Services wirkt sich KI aus: Bei 40 Prozent hat sich deren Qualität verbessert. 36 Prozent haben mithilfe der Technologie sogar neue Produkte oder Dienstleistungen entwickelt. Für Unternehmen bedeutet das: Wettbewerbsvorteile entstehen künftig nicht allein durch den Zugang zu leistungsfähigen Modellen. Entscheidend wird vielmehr die Fähigkeit sein, KI sinnvoll in bestehende Wertschöpfungsketten zu integrieren und daraus skalierbare Anwendungen zu entwickeln.
Zwischen Aufbruch und Verunsicherung
Die hohe strategische Bedeutung der Technologie ist in der Wirtschaft inzwischen weitgehend unumstritten. 91 Prozent der Unternehmen betrachten KI als wichtigste Zukunftstechnologie. 2025 waren es 81 Prozent, 2024 noch 73 Prozent. 80 Prozent sehen KI für das eigene Unternehmen überwiegend als Chance. Gleichzeitig zeigt die Befragung jedoch, wie eng Zuversicht und Unsicherheit inzwischen zusammenliegen. 61 Prozent sind überzeugt, dass Unternehmen ohne KI-Nutzung langfristig keine Zukunft haben. Gleichzeitig sorgen sich 34 Prozent, dass KI sogar die Existenz des eigenen Unternehmens gefährden könnte. Im Vorjahr waren es noch 23 Prozent. 31 Prozent erwarten darüber hinaus, dass KI ihr Geschäftsmodell verändern wird.
Selbst unter den Unternehmen, die die Technologie bereits einsetzen, spielt der Wettbewerbsdruck eine erhebliche Rolle: Ein Drittel gibt an, KI vor allem deshalb einzusetzen, weil die Sorge besteht, andernfalls den Anschluss zu verlieren. Für Führungskräfte entsteht daraus eine strategische Herausforderung: KI-Initiativen sollten weder ausschließlich aus Euphorie noch aus Angst vor Disruption entstehen. Gefragt sind belastbare Use Cases, klare Verantwortlichkeiten und eine langfristige Transformation von Organisation und Geschäftsmodell.
KI wandert tiefer in die Organisation
Bislang findet KI besonders häufig im direkten Kundenkontakt Anwendung. 72 Prozent der KI-nutzenden Unternehmen setzen die Technologie beispielsweise bei der Bearbeitung von Anfragen ein. 54 Prozent nutzen sie in Marketing und Kommunikation. 25 Prozent verwenden KI mittlerweile im Controlling und Rechnungswesen. 22 Prozent setzen sie im internen Wissensmanagement ein, doppelt so viele wie im Vorjahr. Ebenfalls 22 Prozent nutzen KI in Produktionsprozessen. 20 Prozent integrieren KI bereits in eigene Produkte und Dienstleistungen. Im Vertrieb liegt der Anteil bei 14 Prozent, in Forschung und Entwicklung bei 16 Prozent und in der IT-Abteilung bei neun Prozent. Gerade dort könnte langfristig ein großer Teil des wirtschaftlichen Potenzials liegen: in intelligenten Prozessen, automatisierten Entscheidungen, datenbasierten Services und neuen digitalen Geschäftsmodellen.
KI-Agenten markieren die nächste Entwicklungsstufe
Im Unterschied zu klassischen Chatbots können Agenten nicht nur auf Anfragen reagieren, sondern eigenständig mehrstufige Aufgaben übernehmen. Sie können beispielsweise Informationen recherchieren, Preise vergleichen, Angebote einholen oder Entscheidungsoptionen vorbereiten. Elf Prozent der Unternehmen, die KI einsetzen oder den Einsatz planen beziehungsweise diskutieren, verwenden solche Agenten bereits. 29 Prozent planen deren Nutzung, weitere 31 Prozent diskutieren sie. Nur für 24 Prozent sind KI-Agenten aktuell kein Thema.
Mit autonomen oder teilautonomen KI-Systemen steigen allerdings auch die Anforderungen an Unternehmen. Agenten benötigen zuverlässige Daten, Zugriff auf verbundene Systeme sowie klare Regeln dafür, welche Entscheidungen und Aktionen sie eigenständig ausführen dürfen. Technologie, Governance und Organisationsdesign rücken dadurch noch enger zusammen.
Die größten KI-Kosten entstehen nicht durch Lizenzen
Auch die Investitionsbereitschaft steigt. 45 Prozent aller befragten Unternehmen geben 2026 mehr Geld für KI aus als im Vorjahr. 13 Prozent erhöhen ihre Investitionen deutlich, 32 Prozent zumindest moderat. Interessant ist dabei, wofür Unternehmen tatsächlich Geld ausgeben. 51 Prozent der KI-Anwender nennen Infrastruktur wie Cloud-Services und Rechenleistung als großen Kostenblock. 50 Prozent sehen hohe Aufwände bei der Datenaufbereitung, 41 Prozent bei der Integration von KI in bestehende Systeme. Software-Abonnements und Lizenzen sind dagegen lediglich für 21 Prozent ein großer Kostenpunkt.
Das verdeutlicht eine zentrale Erkenntnis für die Digitale Transformation: Der Kauf eines KI-Tools allein verändert noch kein Unternehmen. Der eigentliche Aufwand entsteht dort, wo Daten verfügbar gemacht, bestehende Systeme miteinander verbunden und Prozesse neu gestaltet werden müssen.
Know-how bleibt ein entscheidender Engpass
Bei Unternehmen, die bislang keine KI einsetzen, fehlt vor allem technisches Know-how. 85 Prozent nennen fehlende Kompetenzen für die Implementierung als Hindernis. Hinzu kommen rechtliche Unsicherheiten mit 66 Prozent, schwer kalkulierbare Kosten mit 63 Prozent sowie fehlende personelle Ressourcen mit 51 Prozent. Unternehmen mit KI-Erfahrung kämpfen dagegen teilweise mit anderen Herausforderungen. 66 Prozent nennen Datenschutzanforderungen als Hemmnis, 56 Prozent rechtliche Unsicherheit und 45 Prozent die Sorge, dass sensible Unternehmensdaten in falsche Hände gelangen könnten. Auch die Akzeptanz innerhalb der Organisation bleibt relevant: Für 42 Prozent ist sie ein Hindernis beim KI-Einsatz. Entsprechend gewinnt Weiterbildung an Bedeutung. 70 Prozent der Unternehmen bieten ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern inzwischen KI-Schulungen an. 2025 verzichteten noch 43 Prozent vollständig auf entsprechende Weiterbildungen, aktuell sind es 25 Prozent. Besonders deutlich wird der Zusammenhang zwischen Anwendung und Kompetenz bei den KI-Nutzern: 91 Prozent der Unternehmen, die bereits KI einsetzen, schulen ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
KI verändert Arbeit – die Erfahrungen unterscheiden sich
Auch die Auswirkungen auf Beschäftigung beschäftigen Unternehmen intensiv. Für die kommenden zwei Jahre erwarten 45 Prozent einen leichten und zwölf Prozent einen deutlichen Rückgang der Gesamtzahl ihrer Beschäftigten durch KI. 14 Prozent gehen dagegen von einem leichten Beschäftigungsanstieg aus. Bemerkenswert ist der Unterschied zwischen Unternehmen mit und ohne praktische KI-Erfahrung. Von den Unternehmen, die KI bereits einsetzen, erwarten neun Prozent einen deutlichen Stellenabbau. Bei Unternehmen ohne KI-Nutzung sind es 15 Prozent. Gleichzeitig rechnen KI-Anwender doppelt so häufig mit einem Beschäftigungsanstieg: 18 Prozent gegenüber neun Prozent bei Unternehmen ohne bisherigen KI-Einsatz. Die Zahlen unterstreichen, dass KI nicht ausschließlich bestehende Tätigkeiten automatisiert. Sie verändert Aufgabenprofile, Kompetenzanforderungen und Organisationsstrukturen – und kann gleichzeitig neue Tätigkeiten entstehen lassen.
Der AI Act wird zur operativen Aufgabe
Parallel zur technologischen Entwicklung gewinnt die Regulierung an Relevanz. 37 Prozent der Unternehmen gehen inzwischen davon aus, als Anwender vom europäischen AI Act betroffen zu sein. 2025 waren es 23 Prozent. Weitere 34 Prozent prüfen derzeit, ob und in welchem Umfang die Vorgaben für sie gelten. Von den Unternehmen, die betroffen sind oder dies aktuell untersuchen, erwarten 89 Prozent einen hohen Umsetzungsaufwand. 51 Prozent gehen sogar von einem sehr hohen Aufwand aus. Damit wird AI Governance für viele Organisationen zu einer zentralen Managementaufgabe. Unternehmen müssen verstehen, welche Systeme sie einsetzen, welche Risiken daraus entstehen, welche regulatorischen Kategorien relevant sind und wie Verantwortlichkeiten dokumentiert werden. Gerade mit zunehmender Verbreitung von KI-Agenten dürfte diese Frage weiter an Bedeutung gewinnen.
Die nächste Phase der Digitalen Transformation beginnt
Die aktuellen Zahlen markieren einen Wendepunkt. KI ist nicht länger lediglich ein Innovationsthema einzelner Technologieabteilungen oder Startups. Sie wird zunehmend Bestandteil der operativen Realität in Unternehmen jeder Größe. Doch die Tatsache, dass 57 Prozent der Unternehmen KI einsetzen, erzählt nur einen Teil der Geschichte. Die wesentlich größere Herausforderung beginnt danach: Daten müssen strukturiert, Systeme integriert, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter qualifiziert und Prozesse neu gedacht werden. Gleichzeitig müssen Governance, Datenschutz und regulatorische Anforderungen berücksichtigt werden. Unternehmen, die aus einzelnen KI-Anwendungen eine skalierbare Fähigkeit entwickeln wollen, müssen deshalb Technologie, Organisation und Strategie gemeinsam betrachten.
Q&A: Die wichtigsten Fragen zur KI-Nutzung in deutschen Unternehmen
Wie viele Unternehmen in Deutschland setzen bereits Künstliche Intelligenz ein?
57 Prozent der befragten Unternehmen ab 20 Beschäftigten setzen KI bereits ein. Weitere 38 Prozent planen oder diskutieren den Einsatz. Nur vier Prozent geben an, dass KI für sie derzeit kein Thema ist.
Wie stark ist die KI-Nutzung in den vergangenen Jahren gestiegen?
2024 nutzten 20 Prozent der Unternehmen KI, 2025 waren es 36 Prozent und 2026 bereits 57 Prozent. Innerhalb von zwei Jahren hat sich der Anteil damit nahezu verdreifacht.
Nutzen Unternehmen das Potenzial von KI bereits vollständig?
Nein. Kein befragtes Unternehmen gibt an, das Potenzial vollständig auszuschöpfen. Nur drei Prozent bewerten ihre Nutzung als eher stark. 28 Prozent nutzen das Potenzial nach eigener Einschätzung wenig, 59 Prozent überhaupt nicht.
Welche Vorteile erzielen Unternehmen bereits durch KI?
66 Prozent der KI-Anwender berichten von einer verbesserten Wettbewerbsposition. 48 Prozent konnten interne Prozesse deutlich beschleunigen und 45 Prozent erkennen einen messbaren Beitrag zum Unternehmenserfolg. 40 Prozent haben die Qualität ihrer Produkte oder Dienstleistungen verbessert, 36 Prozent mithilfe von KI neue Angebote entwickelt.
Wo wird KI besonders häufig eingesetzt?
Der Kundenkontakt liegt mit 72 Prozent an der Spitze, gefolgt von Marketing und Kommunikation mit 54 Prozent. Gleichzeitig steigt die Nutzung in Bereichen wie Controlling, Wissensmanagement, Produktion, Vertrieb, IT sowie Forschung und Entwicklung.
Welche Rolle spielen KI-Agenten?
Elf Prozent der Unternehmen, die KI einsetzen oder darüber nachdenken, verwenden KI-Agenten bereits. 29 Prozent planen deren Einsatz und weitere 31 Prozent diskutieren ihn. Agenten können eigenständig mehrstufige Aufgaben durchführen und markieren damit eine weitere Entwicklungsstufe beim Einsatz von KI.
Was kostet die Einführung von KI Unternehmen besonders viel?
Die größten Kosten entstehen häufig nicht durch KI-Lizenzen. 51 Prozent nennen Infrastruktur und Rechenleistung als großen Kostenpunkt, 50 Prozent die Aufbereitung von Daten und 41 Prozent die Integration in bestehende Systeme. Erst danach folgen Software-Lizenzen und externe Beratung.
Was hindert Unternehmen daran, KI einzusetzen?
Bei Unternehmen ohne bisherigen KI-Einsatz ist fehlendes technisches Know-how mit 85 Prozent das mit Abstand häufigste Hindernis. Hinzu kommen rechtliche Unsicherheiten, schwer kalkulierbare Kosten, fehlende personelle Ressourcen und teilweise mangelnde Datenverfügbarkeit.
Welche Herausforderungen erleben Unternehmen, die KI bereits einsetzen?
Bei erfahrenen KI-Anwendern treten Datenschutz und Governance stärker in den Vordergrund. 66 Prozent sehen Datenschutzanforderungen als Hemmnis, 56 Prozent rechtliche Unsicherheit und 45 Prozent die Gefahr eines unerwünschten Abflusses von Unternehmensdaten.
Wie wichtig werden KI-Kompetenzen?
Die Bedeutung wächst erheblich. 70 Prozent der Unternehmen schulen ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter inzwischen im Umgang mit KI. Unter den Unternehmen mit aktivem KI-Einsatz liegt dieser Anteil sogar bei 91 Prozent.
Bedroht KI Arbeitsplätze?
57 Prozent der Unternehmen erwarten für die kommenden zwei Jahre einen leichten oder deutlichen Rückgang der Gesamtbeschäftigung durch KI. Gleichzeitig rechnen 14 Prozent mit einem leichten Anstieg. Unternehmen mit praktischer KI-Erfahrung erwarten seltener einen deutlichen Stellenabbau und häufiger einen Beschäftigungsanstieg als Unternehmen ohne KI-Nutzung.
Welche Bedeutung hat der AI Act für Unternehmen?
37 Prozent der Unternehmen gehen davon aus, als Anwender vom AI Act betroffen zu sein, weitere 34 Prozent prüfen dies derzeit. Von diesen Unternehmen erwarten 89 Prozent einen hohen Umsetzungsaufwand. AI Governance und rechtssichere Prozesse werden damit zunehmend zu einer operativen Managementaufgabe.
Was bedeutet die Entwicklung für Unternehmen und Entscheiderinnen und Entscheider?
Der Einstieg in KI allein reicht zunehmend nicht mehr aus. Entscheidend wird, die Technologie systematisch mit Daten, Prozessen, IT-Infrastruktur und Geschäftsstrategie zu verbinden. Unternehmen stehen damit vor der nächsten Phase der Digitalen Transformation: aus einzelnen KI-Anwendungen müssen skalierbare Fähigkeiten und konkrete Geschäftsergebnisse entstehen.
Grundlage der Zahlen ist eine repräsentative Befragung von 603 Unternehmen mit mindestens 20 Beschäftigten im Auftrag des Digitalverbands Bitkom, veröffentlicht im September 2026.
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