Allgemeines
6. März 2026

Mehrwerte schaffen statt Daten sammeln

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In der heutigen Geschäftswelt sind Daten längst nicht mehr nur ein Nebenprodukt von Unternehmensprozessen, sondern der Schlüssel zu nachhaltigem Erfolg. Im Interview spricht Philipp Hoppe, Associate Partner bei Porsche Consulting, über die transformative Kraft von Daten und Künstlicher Intelligenz (KI). Er erklärt im Interview, warum viele Unternehmen trotz zahlreicher Initiativen Schwierigkeiten haben, den wahren Wert aus ihren Daten zu schöpfen.

TRANSFORM (T): Welche Merkmale unterscheiden ein datengetriebenes von einem klassischen Unternehmen?

Philipp Hoppe (H): Viele Unternehmen sammeln Daten, wenige generieren aus ihnen echte Rendite. Unternehmen betrachten Daten oftmals immer noch als reines Nebenprodukt, gesammelt für Reporting- oder Compliance-Zwecke. Sie verpassen damit die Chance, Daten zu einem Werttreiber für ihre Zukunft zu machen.

Datengetriebene Unternehmen agieren grundlegend anders. Sie sehen Daten als strategischen Rohstoff, der optimal verarbeitet werden muss. Sie geben Daten eine Struktur, definieren eine gemeinsame Sprache und erschaffen ein System, das wertvolle Informationen erzeugt. Führend sind deshalb nicht die Unternehmen mit den größten Datencontainern oder der neusten Technologie. Es sind die Unternehmen, die Daten „richtig“ nutzen – konsequent über Bereichsgrenzen hinweg und mit klarem Fokus auf Wirkung. Zudem betrachten sie Daten und KI als untrennbare Einheit und ständigen Kreislauf. Daten liefern die notwendige Grundlage, KI erzeugt daraus erst Erkenntnis und dann kontinuierliche Verbesserung. Ohne zugängliche Daten und eine klare Datenstrategie bleibt jede KI-Initiative ein Blindflug.

T: Warum scheitern viele Unternehmen daran, aus Daten wirtschaftlichen Mehrwert zu generieren?

H: Viele Unternehmen scheitern aus strukturellen Gründen. Häufig ist die Datenqualität mangelhaft, Datenlandschaften sind fragmentiert und der Zugang zu relevanten Informationen ist stark eingeschränkt. Hinzu kommt, dass organisatorische Silos bestehen, Rollen und Verantwortlichkeiten im Umgang mit Daten und KI sind oft unklar, während es gleichzeitig an Kompetenzen fehlt, diese Technologien wirksam einzusetzen. Ein weiterer zentraler Hinderungsgrund ist die fehlende oder nicht gelebte Datenkultur. In vielen Organisationen herrscht Zurückhaltung, Daten offen zu teilen, was Transparenz und bereichsübergreifende Zusammenarbeit massiv erschwert. Gleichzeitig werden Daten- und KIInitiativen häufig als reine IT-Projekte verstanden – ohne gemeinsame Logik mit den Fachbereichen, ohne klare Priorisierung und ohne verbindliche Verantwortlichkeiten. Das Ergebnis: Viel Aktivität, aber wenig Wirkung.

Daten und KI-Anwendungsfälle „sprießen wie Pilze aus der Erde“, aber substanzieller Mehrwert entsteht so selten. Die meisten Unternehmen machen nicht zu wenig, sondern zu viel — aber ohne System. Was fehlt, ist nicht die Technologie, sondern eine klare Strategie. Unsere aktuelle Studie mit dem Fraunhofer-Institut für angewandte Informationstechnik (FIT) zeigt: Zwar verfügen 95 Prozent der Unternehmen bereits über eine lange Liste an Ideen und haben erste KI-Initiativen gestartet, doch nur rund 20 Prozent gelingt es, diese über die Pilotphase hinaus in den breiten produktiven Einsatz zu bringen. Gleichzeitig messen lediglich 44 Prozent der Unternehmen den wirtschaftlichen Wertbeitrag ihrer KI-Anwendungen überhaupt quantitativ. Ein zentrales Hindernis, um erfolgreiche Ansätze zu skalieren oder unwirksame Projekte konsequent zu beenden. Der Anspruch muss daher klar sein: Weniger, aber gezieltere Daten- & KI-Projekte mit mehr Fokus auf Wirksamkeit.

T: Wie gelingt es Unternehmen, Datenstrategie und Geschäftsstrategie zu verzahnen?

H: Die Verzahnung gelingt dann, wenn Daten und KI nicht als technische Ergänzung verstanden werden, sondern als zentraler Treiber der Geschäftsstrategie. Datengetriebene Unternehmen behandeln Daten nicht länger als nachgelagertes Ergebnis von Prozessen, sondern als Ausgangspunkt, der bestimmt, wie Geschäftsmodelle, Abläufe und Organisationsstrukturen gestaltet werden. Dadurch werden Daten zu einem verbindenden Element, das Transparenz schafft und Unternehmen befähigt, Entscheidungen konsistenter und wirkungsorientierter zu treffen.

Dafür braucht es eine klare Priorisierung: Datengetriebene Initiativen dürfen nicht als voneinander getrennte Projekte laufen, sondern müssen als koordiniertes Gesamtvorhaben verstanden werden. Man muss erkennen können, was wirkt, die Mittel entsprechend einsetzen und funktionierende Lösungen überall dort nutzen, wo sie einen Unterschied machen. Nach innen wie außen. Gerade bei KI-Initiativen, deren Wirkung sich erst schrittweise zeigt, muss das Management entscheidungsfähig bleiben und entlang klarer Wertkriterien über Fortführung, Skalierung oder Beendigung entscheiden.

Die besten Entscheidungen entstehen, wenn IT und Fachbereiche als gemeinsames Team arbeiten. Sie entwickeln Daten, Abläufe und Technologie zusammen weiter. Entscheidungen werden nur gemeinsam getroffen – oft in Form von Produktteams, die ein Thema ganzheitlich verantworten. Dadurch wird Datenarbeit integraler Bestandteil der operativen Wertschöpfung, der Produkte und der Strategie.

T: Wie sieht das datengetriebene Unternehmen der Zukunft aus und was müssen Unternehmen heute tun, um dorthin zu gelangen?

H: In fünf bis zehn Jahren werden agentengeführte und deutliche reifere KI-Systeme der Normalfall sein, oder das Unternehmen wird an Legitimität im Wettbewerb verlieren. Die Zukunft gehört Unternehmen, die mit Daten führen. Entscheidungen entstehen in Echtzeit. KI ist dann keine Initiative mehr, sondern integrierter Bestandteil der täglichen Aufgabenbewältigung („New Normal“). Der Unterschied zu heute ist grundlegend: Daten und KI verbessern nicht mehr nur bestehende Prozesse, sie definieren Geschäftsmodelle, Kundenerlebnisse und den Kern der Wertschöpfung. Was erfolgreiche Unternehmen dann auszeichnet, ist insbesondere Klarheit. Klarheit darüber, welche Informationen aus den vielen Daten wirklich zählen, um Geschäftswert zu erzeugen, und wie das Zusammenspiel aus Mensch und KI optimal ausbalanciert ist.

Der Weg dorthin wird in aller Regel unbequem, aber notwendig. Echte Transformation entsteht nicht durch Optimierung des Bestehenden, sondern erfordert einen mutigen Neuentwurf für Wertverständnis, Abläufe und Organisationsaufbau. Aus unserer Erfahrung lassen sich wenige aber zentrale Erfolgsfaktoren (Design-Prinzipien) ableiten, die darüber entscheiden, ob aus einer Ambition auch schrittweise Realität wird:

Unternehmen müssen zunächst klar bestimmen, welche Fähigkeiten ihnen künftig echte Wettbewerbsvorteile verschaffen sollen – diese gilt es zu fokussieren. Gleichzeitig gilt: Ohne eine saubere und zugängliche Datenbasis lässt sich keine KI sinnvoll einsetzen. Das bedeutet, Datenqualität zu sichern, Redundanzen abzubauen und Daten über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg nutzbar zu machen. Darauf aufbauend braucht es KI-Lösungen, die nicht nur einzelne Anwendungen verbessern, sondern ganze Abläufe neu denken und entlang des kompletten Wertstroms unterstützen. Damit das gelingt, müssen Strategie und Umsetzung enger verzahnt werden: mit Teams, die fachlich und technisch zusammenarbeiten und Verantwortung über den gesamten Entwicklungszyklus tragen. Und schließlich braucht es Menschen, die all das vorantreiben können. Durch gezielte Qualifizierung, neue Rollenprofile und Führung, die Daten- und KI-Kompetenz aktiv unterstützt und systematisch ausbaut.

Die Weichen dafür müssen heute gestellt werden. Aber mit klarer Strategie und Führung kann selbst sehr traditionellen Unternehmen der Wandel zu einem wirklich datengetriebenen Unternehmen erfolgreiche gelingen.

T: Wie unterstützt Porsche Consulting Unternehmen dabei, Daten in nachhaltigen Geschäftserfolg zu verwandeln?

H: Kurz gesagt: Wir unterstützen Unternehmen dabei, Daten und KI so einzusetzen, dass daraus im Alltag wirklich Nutzen entsteht. Dazu gehören ein klares Zielbild, nachvollziehbare Prioritäten und Maßnahmen, die nicht nur auf dem Papier funktionieren. Viele Unternehmen wissen, was sie erreichen wollen, aber es fällt ihnen schwer, diesen Anspruch in praktikable Schritte zu übersetzen. Genau dort setzen wir an: Wir helfen, Ziele an die Geschäftslogik anzubinden, Entscheidungen zu strukturieren und Vorhaben so aufzusetzen, dass sie Wirkung zeigen. Im Kundengeschäft ebenso wie in Steuerung, Planung und operativen Abläufen. Dazu gehört auch, bestehende Prozesse nicht einfach weiter zu optimieren, sondern dort neu zu denken, wo es nötig ist. Wichtig ist für uns, dass Lösungen im täglichen Arbeiten Bestand haben und von den Teams akzeptiert werden.

Wir arbeiten technologieoffen, in verschiedenen Branchen und bei Bedarf mit Partnern aus Forschung und Entwicklung. Unser Anspruch ist, dass Daten und KI nicht bei Pilotprojekten stehenbleiben, sondern langfristig einen nachvollziehbaren Beitrag zum Unternehmenserfolg leisten.


Die Zukunft der Unternehmen liegt eindeutig in der Nutzung von Daten als zentralem Werttreiber. Im Hinblick auf die TRANSFORM 2026 zeigt sich, dass die Unternehmen, die heute die Weichen richtig stellen – mit einer klaren Strategie, der richtigen Kultur und einem starken Fokus auf die Integration von Daten und KI – in den kommenden Jahren den entscheidenden Wettbewerbsvorteil haben werden. Porsche Consulting hilft Unternehmen dabei, das volle Potenzial der Digitalisierung auszuschöpfen. Mit einem Beratungsansatz, der Strategie und Umsetzung verbindet, unterstützen sie ihre Klienten dabei, digitale Transformation zu realisieren und Wachstum, Effizienz sowie neue Kundenerlebnisse zu schaffen.