Cybersicherheit, digitale Souveränität und resiliente IT-Infrastrukturen standen im Mittelpunkt der Keynote von Claudia Plattner auf der TRANSFORM 2026. Die Präsidentin des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zeigte eindrucksvoll, warum Unternehmen Cybersicherheit heute als strategischen Erfolgsfaktor verstehen müssen – weit über klassische IT-Sicherheit hinaus.
Unter dem Titel „Weltunordnung im digitalen Raum“ analysierte Plattner die aktuellen Herausforderungen durch Cybercrime, geopolitische Cyberkonflikte und digitale Abhängigkeiten. Ihre Botschaft an Entscheiderinnen und Entscheider war eindeutig: Wer Digitale Transformation erfolgreich gestalten will, muss Cybersicherheit als integralen Bestandteil der Unternehmensstrategie etablieren.
Bereits zum dritten Mal sprach Claudia Plattner auf der TRANSFORM und machte deutlich, wie stark sich die Bedrohungslage im Cyberraum verändert hat. Cyberangriffe seien längst nicht mehr nur das Werk einzelner Krimineller. Vielmehr entwickle sich der digitale Raum zunehmend zu einem geopolitischen Machtfaktor.
Plattner unterschied dabei drei zentrale Bereiche:
Cybercrime: finanziell motivierte Angriffe wie Ransomware oder Datendiebstahl
Cyber Conflict: politisch motivierte Cyberangriffe im Kontext globaler Spannungen
Cyber Dominance: digitale Abhängigkeiten durch Technologien und Plattformen externer Anbieter
Gerade der dritte Punkt werde für Unternehmen immer relevanter. Viele digitale Produkte, Cloud-Infrastrukturen oder Betriebssysteme blieben dauerhaft unter Kontrolle ihrer Hersteller. Dadurch entstünden neue Risiken für Datensouveränität, Kontrolle und digitale Resilienz.
Ein zentrales Ergebnis der aktuellen BSI-Analysen stellte Plattner besonders heraus: Nicht die Anzahl der Cyberangriffe steige am stärksten, sondern die Zahl der Angriffsflächen.
Unsichere Systeme, offene Schwachstellen, kompromittierte Zugangsdaten und veraltete Infrastrukturen seien heute die größte Achillesferse vieler Unternehmen.
„Die Angriffsflächen sind unser großes Problem“, betonte Plattner in ihrer Keynote.
Gleichzeitig verwies sie auf die enormen wirtschaftlichen Schäden durch Cyberkriminalität. Laut aktuellen Bitkom-Zahlen verursachen Cyberangriffe inzwischen Schäden in Höhe von über 200 Milliarden Euro pro Jahr in Deutschland – Tendenz steigend.
Besonders betroffen seien neben politischen Institutionen zunehmend auch kleine und mittlere Unternehmen, denen häufig personelle und technische Ressourcen für moderne Cybersicherheitsmaßnahmen fehlen.
Im Fokus der Keynote standen auch die regulatorischen Anforderungen rund um NIS2 und den Cyber Resilience Act (CRA). Für Claudia Plattner sind diese Vorgaben weit mehr als reine Compliance-Themen.
Vielmehr gehe es darum, Unternehmen resilienter und widerstandsfähiger zu machen.
Klassische Sicherheitsansätze mit manuellen Prozessen und Checklisten würden künftig nicht mehr ausreichen. Unternehmen müssten verstärkt auf:
automatisierte Intrusion Detection
moderne Sicherheitsarchitekturen
kontinuierliches Schwachstellenmanagement
sichere Software-Lieferketten
automatisierte Recovery-Mechanismen setzen.
Besonders wichtig sei dabei die Modernisierung von Legacy-Systemen sowie Transparenz über eingesetzte Software-Komponenten – beispielsweise durch sogenannte SBOMs (Software Bill of Materials).
Ein weiterer Schwerpunkt der Keynote war die Frage nach digitaler Souveränität in Europa. Plattner machte deutlich, dass wirtschaftliche Stärke und technologische Unabhängigkeit zunehmend Teil der Sicherheitsarchitektur werden.
Unternehmen, Technologieanbieter und Startups spielen dabei eine zentrale Rolle. Wer digitale Innovationen entwickelt und europäische Technologien stärkt, trägt gleichzeitig zur Resilienz des Wirtschaftsstandorts bei.
Damit wurde auf der TRANSFORM 2026 einmal mehr deutlich: Digitale Transformation und Cybersicherheit lassen sich nicht getrennt voneinander denken.
Für die Zukunft fordert das BSI eine deutlich stärkere Automatisierung der Cyberabwehr. Ziel sei eine „Industrialisierung der Cybersicherheit“, bei der Angriffe frühzeitig erkannt und automatisiert abgewehrt werden können.
Mit Initiativen wie dem geplanten Cyberdome will das BSI künftig dazu beitragen, Bedrohungen bereits vor dem eigentlichen Angriff zu stoppen – beispielsweise durch automatisierte Erkennung betrügerischer Domains oder das frühzeitige Abschalten schädlicher Infrastrukturen.
Die Keynote von Claudia Plattner machte auf der TRANSFORM 2026 deutlich, dass Cybersicherheit heute zu den wichtigsten strategischen Themen für Unternehmen gehört.
Für Entscheiderinnen und Entscheider bedeutet das:
Cybersicherheit muss Teil der Digitalstrategie sein
Resilienz wird zum Wettbewerbsfaktor
Automatisierung wird unverzichtbar
Digitale Souveränität gewinnt an Bedeutung
Regulierung wie NIS2 und CRA erfordert aktives Handeln
Die TRANSFORM 2026 zeigte damit erneut, wie eng Innovation, Digitale Transformation und Cybersicherheit inzwischen miteinander verbunden sind und warum Unternehmen jetzt handeln müssen, um langfristig wettbewerbsfähig und resilient zu bleiben.