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17. März 2026

Von Daten zu Entscheidungen: Wie SAP die nächste Phase der Digitalen Transformation gestaltet

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Technologien wie Künstliche Intelligenz, Cloud und Datenplattformen entfalten ihren vollen Wert erst dann, wenn sie nahtlos in Geschäftsprozesse integriert sind. Florian Kunzke, Global Director AI Strategy bei SAP, erklärt im Interview, wie SAP Unternehmen dabei unterstützt, genau diese Integration zu erreichen – von intelligenten ERP-Systemen über moderne Datenarchitekturen bis hin zu KI-gestützten Entscheidungsprozessen. Er beschreibt, warum ganzheitliche Plattformstrategien heute entscheidend sind, wie KI entlang der gesamten Wertschöpfungskette Mehrwert schafft und welche Rolle Ökosysteme, Startups und Datenräume in einer vernetzten Wirtschaft spielen.

TRANSFORM (T): Die Digitale Transformation erfordert ganzheitliche Plattformstrategien. Wie unterstützt SAP Unternehmen dabei, ihre Geschäftsprozesse intelligent, resilient und nachhaltig zu gestalten?  

Florian Kunzke (K): Ich spreche viel mit Führungskräften, die mir sagen: „Wir haben die Cloud-Anwendungen, wir haben KI-Tools, wir haben Dashboards für alles Mögliche – und trotzdem wissen wir morgens nicht, was in unserer Lieferkette gerade schiefläuft." Das ist kein Technologieproblem. Das ist ein Integrationsproblem. Digitale Transformation brauchte einen Fokus auf ganzheitliche Geschäftsprozesse, sonst optimiert man nur im Silo oder beschleunigt mit KI sogar die Fragmentierung. SAPs setzt genau da an – eine integrierte Suite aus Gechäftsanwendungen vom Finanzwesen über den Einkauf bis hin zu HR, dazu eine gemeinsame Datenbasis, ein kohärentes Bild der eigenen Prozesse auf das Künstliche Intelligenz sinnvoll aufsetzen kann.  

T: Die Integration von Künstlicher Intelligenz in ERP-Systeme gewinnt zunehmend an Bedeutung. Wie gestaltet SAP den Einsatz von KI entlang der gesamten Wertschöpfungskette?  

K: Generative und agentische KI haben in den letzten Jahren extrem viele Potenziale geschaffen und SAPs Fokus besteht darin, diese für unsere Kunden in konkrete Mehwerte zu übersetzen. Wir bauen bewusst keine eigenen allgemeinen Sprachmodelle – wir integrieren die besten, ob von Anthropic, Google oder Mistral, auf sichere Art und Weise über unsere Plattform, und verankern sie dort, wo Unternehmen wirklich arbeiten: mitten im Prozess. Joule, unser KI-Copilot, arbeitet in allen SAP Systemen und darüber hinaus, nutzt diese Modelle und stattet sie mit einem Verständnis für Geschäftsobjekte wie Kostenstellen, Lieferanten und Rechnungen aus, um verlässlich Analysen zu erstellen oder Transaktionen zu erledigen. Über 34.000 Cloud-Kunden nutzen das heute schon.  

T: In einer zunehmend vernetzten Wirtschaft ist Datenmanagement ein kritischer Erfolgsfaktor. Welche Rolle spielen Data Spaces und Business Technology Plattformen in Ihrer Strategie?  

K: Eine aufgeräumte und gute integrierte Systemlandschaft sowie ein moderner Data Stack sind die Grundvoraussetzungen für verlässliche und vor allem skalierbare KI. Die SAP Business Technology Platform ist quasi das Bindegewebe zwischen den Applikationen, die vernetzte Geschäftsprozesse ermöglicht. Sie verbindet Systeme, macht Daten nutzbar und ermöglicht es, darauf aufzubauen – ohne jedes Mal von vorne anzufangen. Um die Daten aus den Systemen und externen Quellen auch für neue analytische und KI-Use Cases nutzbar zu machen, bieten wir mit der SAP Business Data Cloud ebenfalls eine hervorragende Lösung. Data Spaces gehen noch einen Schritt weiter: Sie erlauben Datenaustausch zwischen Unternehmen, ohne dass jemand die Kontrolle abgibt. In vernetzten Lieferketten ist das keine Zukunftsvision mehr – das ist operative Notwendigkeit. 

T: SAP setzt stark auf Ökosysteme und Partnernetzwerke. Welche Rolle spielen Startups bei der Entwicklung neuer Geschäftsmodelle und wie profitieren Kundinnen und Kunden davon?  

K: Partner sind ein elementarer Bestandteil unserer Strategie. Bleiben wir doch beim Beispiel der Large Language Models: SAP hätte schlicht wenig zu wenig Expertise und Wettbewerbsvorteile, um KI-Sprachmodelle auf Top-Niveau zu bauen. Worin wir jedoch weltklasse sind: kritische Geschäftsprozesse verlässlich zu steuern. Also haben wir uns vor drei Jahren für eine breite Partner-Strategie entschieden, die uns ermöglicht, die besten KI-Modelle zu nutzen und uns auf unser Kerngeschäft zu fokussieren und KI wertstiftend bei unseren Kunden einzusetzen. Und das sind nicht immer nur die großen KI-Labs. Mit dem KI Startup Not Diamond haben wir auf unserer Plattform eine Funktion zur automatischen System-Prompt-Optimierung geliefert und mit dem Berliner Startup n8n partnern wir, um agentisches Programmieren im SAP Ökosystem möglich zu machen. Am Ende geht es immer darum, komplementäre Stärken zu nutzen, um die Kunden schneller von neuen Innovationen profitieren zu lassen. 

T: Nachhaltigkeit ist heute ein strategisches Ziel. Wie unterstützt SAP Unternehmen dabei, Nachhaltigkeitsziele operativ umzusetzen und regulatorische Anforderungen zu erfüllen?  

Was mich an Nachhaltigkeitsdiskussionen manchmal frustriert: Sie bleiben oft auf der Ebene von Zielen und Bekenntnissen stecken. „Wir wollen bis 2040 klimaneutral sein." Schön. Aber wissen Sie, wie viel CO₂ in der Produktion eines einzelnen Bauteils steckt? Meistens nicht – weil die Daten dafür schlicht fehlen oder über fünf Systeme verteilt sind. SAPs Sustainability Angebote lösen genau das: CO₂-Emissionen werden auf operativer Prozessebene messbar, in Echtzeit. Die Idee dahinter ist schlicht und gleichzeitig sehr wirkmächtig: CO₂ soll irgendwann wie der Euro an jedem Geschäftsprozess hängen. Nachhaltigkeit nicht als Bericht, den man einmal im Jahr schreibt – sondern als Dimension jeder operativen Entscheidung. Und auch dafür nutzen wir vermehrt KI. 

T: Wie befähigt SAP Führungskräfte dazu, technologische Innovationen in echten Geschäftsnutzen zu übersetzen?  

K: Ich sage manchmal provokativ: Das größte KI-Problem in Unternehmen ist nicht die Technologie. Es ist die Übersetzung. Wir haben heute beeindruckende Modelle, leistungsfähige KI Agenten, und trotzdem scheitern viele Initiativen daran, dass ein klarer Plan fehlt, wie der Einsatz von KI die Unternehmensstrategie unterstützt, wie die Mitarbeiter bei der Nutzung eingebunden werden – und wie Erfolg aussieht. Das ist eine Führungsaufgabe. Meine Erfahrung: Die erfolgreichsten KI-Projekte starten nicht mit der Frage „Was kann die KI?" – sondern mit “Wie können wir unserer Strategie einen Schub verleihen oder unser Geschäftsmodell weiterentwickeln?” SAP versucht, genau diesen Übersetzungsprozess zu strukturieren: mit KI direkt im Prozess, Use-Case-Bibliotheken und ehrlicher Begleitung. 

T: Welche Technologien und Trends sehen Sie als entscheidend für die nächsten fünf Jahre der Digitalen Transformation? 

K: Drei Entwicklungen, auf die ich persönlich sehr gespannt bin: 

Generative UI – Die Benutzeroberfläche, wie wir sie kennen, wird so nicht mehr lange bestand haben. Fixe Menüs, statische Dashboards, einheitliche Masken für alle – das war das Interface-Paradigma der letzten 30 Jahre. Generative UI bedeutet: Die Oberfläche entsteht in dem Moment, in dem ich sie brauche, passend zu meiner Rolle, meinem Kontext, meiner Frage. Joule wird sich von einem Chatbot genau in diese Richtung entwickeln. 

Systems of Context – KI ist nur so gut wie der Kontext, den sie hat. Ein allgemeines Sprachmodell weiß viel über die Welt – aber nichts über Ihre Lieferkette, Ihre Verträge, Ihre Kunden. Das ERP der Zukunft ist kein Datensilo mehr, sondern der Kontext-Layer, der KI mit Unternehmensrealität verankert. Hier sehe ich SAPs stärksten strukturellen Vorteil – und hier wird sich entscheiden, wessen KI wirklich nützlich ist. Agenten, die das Geschäft kennen, prozessübergreifend handeln und sinnvoll mit Menschen zusammen arbeiten können, werden den Unterschied machen zwischen reinen technischen Fähigkeiten und effektiver Anwendung. 

Governance als Wettbewerbsvorteil – Das klingt etwas trocken, aber ich bin überzeugt: In ein paar Jahren werden Unternehmen, die KI-Governance früh und ernsthaft aufgebaut haben, deutlich schneller skalieren als andere. Nicht weil Governance notwendig ist – sondern weil Vertrauen zur Ressource wird. Intern wie extern. Wer erklären kann, warum seine KI so entschieden hat, gewinnt Akzeptanz. Wer weiß, wo KI in seinem Unternehmen genutzt oder noch nicht genutzt wird, wird zum Architekten für den langfristigen Geschäftserfolg. 


Die nächste Phase der Digitalen Transformation wird nicht allein durch neue Technologien bestimmt, sondern durch ihre intelligente Einbettung in Geschäftsprozesse, Datenkontexte und Governance-Strukturen. Für Unternehmen bedeutet das, KI nicht nur als Werkzeug, sondern als strategischen Hebel zu verstehen. SAP setzt dabei auf integrierte Plattformen, starke Partnernetzwerke und neue Ansätze wie generative Benutzeroberflächen oder Systems of Context. Für Führungskräfte wird damit eine zentrale Aufgabe immer wichtiger: technologische Innovationen gezielt in nachhaltigen Geschäftsnutzen zu übersetzen und so den Wandel aktiv zu gestalten.

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